Vor der Vorstellung unserer Fließgewässer ein aktueller Beitrag zu einem sehr gelungenen Projekt unseres Vereins!


Neustrukturierung der Eger

Die Eger ist ein kleiner Donauzufluss. Die Egerquelle entspringt beim Tierstein westlich von Aufhausen, einem Teilort von Bopfingen. Im weiteren Verlauf fließt der Bach durch Oberdorf und Bopfingen, am Teilort Trochtelfingen vorbei und über die bayrische Landesgrenze, durch Nördlingen hindurch und mündet schließlich bei Heroldingen nach ca. 37 Kilometern in die Wörnitz, die ihrerseits in die Donau mündet.

Die Egerquelle liefert das Trinkwasser für ca. 10.000 Einwohner von Bopfingen.

Zum Schutz gegen die jährlich auftretenden, teilweise verheerenden Hochwasserereignisse wurde die Eger schon in den 1930er Jahren in ein geradliniges, tiefes Bett gezwängt und die Ufer vielfach mit Steinen befestigt.

Die Eger selbst war dabei nicht das Problem, sondern deren Zufluss Sechta. Dieses kleine Bächlein hat ein riesiges Einzugsgebiet mit überwiegend landwirtschaftlichen Flächen. Bei stärkeren Niederschlägen führen die Drainagen und Gräben das Wasser schnell in die Sechta und diese entlässt ihre gefährliche Schmutzfracht in die eher ruhige Eger.

Der Hege- und Fischereiverein Eger e.V. mit Sitz in Bopfingen hat die Eger auf der Gemarkung Bopfingen gepachtet und bewirtschaftet diese Strecke seit rund 40 Jahren. Es ist nur ein kleiner Verein. In den Anfängen nur wenige Angler stark und auch heute nur mit rund 100 Mitgliedern und wenig Finanzkraft ausgestattet. Vielleicht gerade wegen dieser geringen Geldmittel sind seine Mitglieder umso rühriger, wenn es um ihre Eger geht.

Eines dieser Mitglieder, Günter Volk, Hauptgewässerwart des Vereins, hat 2012 als Lehrer mit seiner Klasse 8 der Hauptschule in Bopfingen ein Projekt aufgesetzt. Sie wollten die Eger auf einem Stück von ca. 30 m ein wenig lebendiger gestalten. Flaches Wasser mit strukturlosem Untergrund bot keinen Lebensraum für aquatische Lebewesen.

Also organisierte die Gruppe Totholz, das der Biber zurückgelassen hatte und baute es mit einfachen Mitteln ins Gewässer ein. Hinzu ein paar Störsteine, die von der Stadt gespendet wurden und schon im nächsten Jahr konnte bei Bestandskontrollen die ersten Erfolge festgestellt werden. Kleine Bachforellen bezogen die neu geschaffenen Unterstände.

Bild von Günter Volk kurz vor der Neustrukturierung


Dieses erste Schulprojekt machte das eigentliche Problem der Eger deutlich: Ein, über weite Strecken tief eingeschnittenes, breites und geradliniges Bachbett mit einer strukturlosen und kolmatierten Sohle.  In diesen strukturlosen und flachen Abschnitten konnte man keine Fischnährtiere wie Ringelwürmer, Insektenlarven, Bachflohkrebse usw. finden, weil der Gewässergrund festgebacken wie Beton, keinen Lebensraum bot. Wenn die kleinen Nährtiere fehlen, dann fehlen auch Grundeln, Schmerlen, Bitterlinge und Elritzen. Und natürlich gibt es dann dort auch keine Bachforellen.

Flache, strukturlose Bachläufe bieten auch keine Laichmöglichkeiten. Der jährliche Einfall des Kormorans während der Wintermonate verschärfte die Situation und machte die Unterstützung des schwachen Bachforellenbestands notwendig.

Neben dem zusätzlichen Besatz mit  Sömmerlingen wurden befruchtete Bachforelleneier mit Brutröhren ins Gewässer gebracht, um so die natürliche Vermehrung zu unterstützen. Der Einsatz der Brutröhren war stets ein Glücksspiel, weil die häufigen Hochwasser vom Nebenfluss Sechta eine hohe Schmutzfracht mitführten. Auf solche Hochwasser folgte regelmäßig ein Totalausfall der Brutröhren.

Das kleine Schulprojekt zeigte aber auch, dass man schon mit minimalen Mitteln sichtbare Erfolge erzielen konnte. Es dauerte deshalb nicht lange, bis sich Hauptgewässerwart Günter Volk zusammen mit Erich Wuttke - einem rührigen Gewässerwart des Vereins - ein neues und wesentlich ehrgeizigeres Ziel gesetzt hatten: Sie wollten einigen besonders tristen und leblosen Abschnitten der Eger neues Leben einhauchen.

Ihr erster Weg ging zur Stadtverwaltung von Bopfingen. Bürgermeister Dr. Gunter Bühler hat viel für seine Vereine übrig. Auch wenn der Verwaltung noch nicht recht klar war, was der Verein vor hatte, so waren ihnen die Pläne des Hauptgewässerwartes doch einen Vertrauensvorschuss wert, bzw. 3.000 € und das Projekt der Neustrukturierung der Eger lief nun erst richtig an.

Angeschoben durch das Start-Geld der Stadt Bopfingen organisierte der Verein ein paar LKW-Ladungen großer Steine und Felsbrocken sowie einen Bagger samt Fahrer und in nur einem Tag war ein Teilstück der Eger von 200 Metern neu strukturiert.

 

 

Bild von Günter Volk kurz nach der Neustrukturierung


 

Dabei lockert die Baggerschaufel zuerst den Gewässergrund auf und schafft eine tiefere, mäandrierende Rinne indem der Aushub im Bachbett als Buhnen aufgeschüttet und damit Kiesbänke mit Rückströmungen geschaffen werden. Schließlich werden noch große Felsbrocken als Störsteine eingebaut. Sie sollen die Fließgeschwindigkeit punktuell erhöhen und die angelegte Rinne und die Gumpen freihalten. Vereinzelt können auch große Wurzelstöcke als Unterstände eingebaut und mit Pfählen verankert werden.

Schon nach einem Jahr beginnt der strukturierte Abschnitt natürlich einzuwachsen und vom Baggereingriff ist nichts mehr zu sehen.

 

 

Bild von Günter Volk ca. 3 Jahre nach der Neustrukturierung (Stolch´sches Schloss durch Busch verdeckt)


Wo liegen die Vorteile dieser Neustrukturierung?

  1. Aufwand und Kosten: Einem Gewässer seine ursprüngliche Mäandrierung zurückzugeben, ist nur im Zuge einer Flurbereinigung machbar, weil es den Eingriff in Grundeigentum notwendig macht. Das Verfahren ist langwierig und geht schon bei wenigen 100 Metern in die Hunderttausende.
  2. Die neu geschaffenen Kiesbänke werden über Wasser schnell von Gräsern und Schilf erobert und geben dem Bachbett ein natürliches Gesicht. Hier tummeln sich Insekten und brüten Wasservögel.
  3. Im Wasser entstehen Rückströmungen mit Ablagerungen von Kies und feinem Sediment. Hier findet man Bachmuscheln, Nährtierchen und Insektenlarven.
  4. Unter den Steinen leben Grundeln, Schmerlen und Groppen. Deren Nachkommen finden genug Nahrung und Lebensraum.
  5. Die Bachforellen schlagen ihre Laichgruben in den lockeren Kies und die geschlüpfte Brut hat einen guten Start, bis sie sich ihrerseits an der Fischbrut der Kleinfische ernähren können.
  6. Der Hochwasserschutz bleibt gewährleistet, weil der Querschnitt nicht verringert wird. Berechnungen des Wasserwirtschaftsamts sind der Maßnahme vorausgegangen.

Auf diese Weise hat der Hege- und Fischereiverein Bopfingen nun schon auf einer zusammenhängenden Strecke von 1.200 m der Eger eine neue, lebhafte und belebte Struktur gegeben. Die Kosten hierfür haben 12.500 € betragen.

Als begleitende Maßnahme pflanzen die Vereinsmitglieder Bäume entlang der Ufer von Eger und Sechta und schützen die vorhandenen Bäume mit Drahthosen gegen den Biber. 250 m Drahtzaun verarbeitet der Verein seit 2012 jährlich für den Baumschutz.

Durch die Beschattung des Gewässers soll die Wassertemperatur im Hochsommer niedrig und der Sauerstoffgehalt hoch bleiben. Außerdem sind die Bäume weiterer Lebensraum für Vögel und Insekten.

Ein wesentliches Problem bleibt allerdings. Die Bachforellen können nicht in die vorhandenen Nebenbäche ziehen, um dort abzulaichen, weil diese kleinen Quellbäche nicht natürlich ans Hauptgewässer angeschlossen sind. Somit ist der gesamte Fischlaich nach wie vor gnadenlos dem Hochwasser ausgesetzt, wird mit feinem Substrat bedeckt und erstickt.

Dies wird die nächste Aufgabe des Hege- und Fischereivereins werden. Die Quellgräben und –bäche so an die Eger anzubinden, dass die Forellen dort ihr Laichgeschäft erledigen können.     

 


Sechta

 
 

Sechta bei der Brücke Edelmühle

 

 

Die Sechta entspringt bei Tannhausen. Das Pachtstück des Vereins beginnt bei der Gemarkungsgrenze Unterschneidheim-Sechtenhausen. Auf Höhe Edelmühle mündet der Edelbach in die Sechta. Auch er steht in der Pacht unseres Vereins. Im weiteren Verlauf durchfließt die Sechta den Bopfinger Teilort Oberdorf und mündet kurz nach dem Ipfmessplatz in die Eger.

 

Die abwechslungsreiche und vielgestaltige Sechta ist für den Verein ein wichtiges Gewässer. Im Oberlauf sind neben dem Hauptfisch Döbel  auch Hecht und Karpfen. Auch im Unterlauf dominiert der Döbel, die Bachforelle ist aber ebenfalls vereinzelt zu fangen. In den ruhigen und tiefen Abschnitten findet man Karpfen, Schleien, Rotaugen und Barsche. Klein- und Futterfische der Sechta sind Elritze, Schmerle und Gründling.

 

Die Sechta ist der größte zusammenhängende Gewässerabschnitt in Baden-Württemberg, in dem der schon sehr selten gewordene Bitterling noch relativ häufig vorkommt. Dies ist nur deshalb der Fall, weil der Bodengrund an vielen Stellen für Bachmuscheln ideal ist, die der Bitterling zum Ablaichen benötigt.

Das Wasser ist nährstoffreich bei guter Gewässerqualität.

 

Die Sechta wurde in den 1930er Jahren begradigt. Seitdem hat sie sich in ihrem begradigten Bett langsam und mühsam wieder eine sehr gute Struktur mit tiefen Gumpen, schnell und langsam fließenden Abschnitten geschaffen.  

2009 begann bei Itzlingen die Renaturierung der Sechta durch den Wasser- und Bodenverband. Der Sechta wurde wieder einmal ein neues Bett gebaggert. Es wurde versucht den alten, mäandrierenden Lauf der Sechta nachzugestalten. Dabei entstanden auch viele Altwässer, die bis zu drei Meter tief sind. Nun liegt es wieder an der Sechta, sich in den nächsten Jahrzehnten eine gute Struktur zu schaffen.

 

 

Eger

 

 

Die Eger zwischen Trochtelfingen und Utzmemmingen

 

 

Wie aus unserem Vereinsnamen hervorgeht, war die Eger das Erstgewässer unseres Vereins. Sie entspringt im Egerursprung bei Aufhausen. Die Pachtstrecke des Vereins beginnt an der Gemarkungsgrenze Oberdorf. Die Eger fließt in Oberdorf ein und teilt sich dort. Der kleinere Nebenlauf Altbach mündet noch vor dem Ipfmessplatz in die Sechta.  Im weiteren Verlauf durchfließt die Eger Bopfingen und Trochtelfingen.

Der von Röttingen kommende Schenkenbach mündet in Aufhausen in die Eger. Auch er steht in der Pacht unseres Vereins. Ebenso der in Trochtelfingen einmündende Krautgartengraben. Beide dienen als Aufzuchtbäche für Bachforellen.

Weil die Eger ein sehr beständiges Gewässer ist, haben sich sehr viele Mühlen an ihrem Verlauf angesiedelt. Immer wieder wurde das Wasser durch Stauwehre umgeleitet. So entstanden auch die vielen Nebenläufe.

Das Pachtstück unseres Vereins endet an der Gemarkungsgrenze Utzmemmingen.

 

Neben dem Döbel ist die Bachforelle der Hauptfisch in der Eger. In den letzten Jahren kommen auch die Mühlkoppe, die Elritze und der Dreistachelige Stichling wieder sehr häufig vor. Flussabwärts ab Bopfingen findet man auch Rotaugen, Barsche, Karpfen und Aale sowie Kleinfische wie z. B. Gründlinge und Bartgrundeln (Schmerlen).  

 

 

Eger Lierheim (Liere) 

 

 

Liere

 

 

Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei der Eger Lierheim noch immer um die bei Aufhausen entsprungene Eger.

Der Verein konnte hier an ihrem Unterlauf ein 3,5 km langes Stück pachten. Das Pachtstück beginnt bei der Brücke Lierheim und geht bis zur Einmündung in die Wörnitz.

 

Es ist das einzige Gewässer, für das unser Verein vorbehaltlos Tageskarten ausgibt. Eine Tageskarte kostet 10,00 €. Tageskarten sind erhältlich bei:  

Bahnhofsgaststätte, 86753 Möttingen, Romantische Straße 50

City Sport, 86720 Nördlingen, Löpsinger Str. 11

Autohaus Schmid, Chevrolet-Vertragshändler, 73441 Bopfingen-Flochberg

 

Die "Liere" wie sie von den Mitgliedern genannt wird, gehört zur Wörnitzer Fischereigenossenschaft. Es findet ein jährlicher Pflichtbesatz in Höhe von 1.000 € statt. Auch Vereinsmitglieder können nur mit Tageskarte angeln. Allerdings erhalten aktive Mitglieder vier Freikarten jährlich sowie stark verbilligte weitere Tageskarten.

 

Die "Liere" ist ein Gewässer der Barbenregion und hat einen sehr guten Mischbesatz. Hauptfische sind Barben, Döbel und Brachsen. Karpfen und Hecht kommen aber ebenfalls recht häufig vor. Auch der Aal "läuft" hier sehr gut. Schleien und Zander werden ebenfalls immer wieder besetzt, dennoch sind sie eher etwas seltener vertreten. Ebenso Schied und Wels, die aus der Wörnitz einwandern. Häufig dagegen ist hier der Barsch. Alle Raubfische der "Liere" fressen gerne die hier sehr zahlreichen Lauben. Es gibt Rotaugen und Alande, selten wird einmal eine Forelle oder Nase gefangen. Ein Zufallsfang im Winter könnte auch die Quappe sein.

 

Es gelten die Schonzeiten und -maße der Wörnitzer Fischereigenossenschaft.

 

 

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