Aktuelle Naturschutzprojekte

Revitalisierung und Neustrukturierung von Eger und Sechta

Die Eger

Die Eger ist ein kleiner Donauzufluss. Die Egerquelle entspringt beim Tierstein westlich von Aufhausen, einem Teilort von Bopfingen. Im weiteren Verlauf fließt das Wasser durch Oberdorf und Bopfingen, am Teilort Trochtelfingen vorbei und über die bayrische Landesgrenze, durch Nördlingen hindurch und mündet schließlich bei Heroldingen nach ca. 37 Kilometern in die Wörnitz, die ihrerseits in die Donau mündet.

Die Egerquelle liefert das Trinkwasser für ca. 10.000 Einwohner von Bopfingen.

Zum Schutz gegen die jährlich auftretenden, teilweise verheerenden Hochwasserereignisse, die auch Seuchen (Leberegelseuche) verursachten, wurden Sechta und Eger schon in den 1930er Jahren in ein geradliniges, tiefes Bett gezwängt und die Ufer vielfach mit Steinen befestigt. Dies sorgte für Jahrzehnte dafür, dass Überschwemmungen und Seuchen ausblieben.

Die fortschreitende Flächenversiegelung und die Drainierung von landwirtschaftlichen Flächen mit der Anlegung von Gräben im Zuge der Flurbereinigungen sorgte ab den 1980er Jahren dafür, dass das tiefe Bachbett bei stärkeren Regenfällen nicht mehr ausreichte. Wieder kam es zu schlimmen Überschwemmungen auch innerhalb der Ortschaften.

Die Eger selbst war dabei nicht das Problem, sondern deren Zufluss Sechta. Dieses kleine Bächlein hat ein riesiges Einzugsgebiet mit überwiegend landwirtschaftlichen Flächen. Bei stärkeren Niederschlägen führen die Drainagen und Gräben das Wasser schnell in die Sechta und diese entlässt ihre gefährliche Schmutzfracht in die eher ruhige Eger.

Der Hege- und Fischereiverein Eger e.V. mit Sitz in Bopfingen hat die Eger auf der Gemarkung Bopfingen gepachtet und bewirtschaftet diese Strecke seit rund 40 Jahren. Es ist nur ein kleiner Verein. In den Anfängen nur wenige Angler stark und auch heute nur mit rund 100 Mitgliedern und wenig Finanzkraft ausgestattet. Vielleicht gerade wegen dieser geringen Geldmittel sind seine Mitglieder umso rühriger, wenn es um ihre Eger geht.

Der Verein begann zwar mit der Eger als Pachtgewässer, der fischereiliche Ertrag der Eger wurde aber immer geringer, so dass die Eger schon bald nur eine untergeordnete Rolle bei den Pachtgewässern spielte.

Nach knapp 30 Jahren der Bewirtschaftung begann der Verein die Ursachen für den geringen Ertrag zu erforschen. Es reifte die Erkenntnis, dass der Gewässergrund von Sechta und Eger sich aufgrund seiner Beschaffenheit über die Jahrzehnte beinahe so festgebacken hatte, dass es dort kaum Versteckmöglichkeiten für Insektenlarven sowie Klein- und Jungfische gab. Die extremen Hochwasserereignisse mit hohen Fließgeschwindigkeiten transportierten selbst größere, kiloschwere Steine kilometerweit weg, so dass der Gewässergrund an vielen Stellen immer strukturloser wurde.

Dort wo es keine Struktur im Gewässer gibt, gleichen Sechta und Eger einem betonierten Kanal. In so einem Bach werden Insektenlarven, Fischlaich und Fischbrut auch schon bei kleineren Hochwasserereignissen einfach weggespült.

Ein trauriges Bild:

Bild von Günter Volk kurz vor der Neustrukturierung

Der damalige Hauptgewässerwart unseres Vereins, hat 2012 als Lehrer mit seiner Klasse 8 der Hauptschule in Bopfingen ein Projekt aufgesetzt. Sie wollten die Eger auf einem Stück von ca. 30 m ein wenig lebendiger gestalten. Flaches Wasser mit strukturlosem Untergrund bot keinen Lebensraum für aquatische Lebewesen. Das wollten sie ändern und testen, ob es möglich ist mit einfachen Mitteln den trostlosen Zustand zu verbessern und neuen Lebensraum zu schaffen.

Also organisierte die Gruppe Totholz, das der Biber zurückgelassen hatte und baute es überwiegend von Hand ins Gewässer ein. Hinzu ein paar Störsteine, die von der Stadt gespendet wurden und schon nach wenigen Monaten konnten die ersten Erfolge festgestellt werden. Bei einer Kontrolle mit feinen Keschern und Eimern wurden zahlreiche Kleinlebewesen und Insektenlarven entdeckt. An einer Stelle wurde sogar 1cm große Fischbrut entdeckt. Im folgenden Jahr hatten kleine Bachforellen die neu geschaffenen Unterstände bezogen.

Dieses erste Schulprojekt machte das eigentliche Probleme der Eger deutlich: Ein, über weite Strecken tief eingeschnittenes, breites und geradliniges Bachbett mit einer strukturlosen und festgebackenen Sohle. In diesen strukturlosen und flachen Abschnitten konnte man keine Fischnährtiere wie Ringelwürmer, Insektenlarven, Bachflohkrebse usw. finden, weil der Gewässergrund festgebacken wie Beton, keinen Lebensraum bot. Wenn die kleinen Nährtiere fehlen, dann fehlen auch Grundeln, Schmerlen, Bitterlinge und Elritzen. Und natürlich gibt es dann dort auch keine Bachforellen.

Flache, strukturlose Bachläufe bieten auch keine Laichmöglichkeiten.

Jahrelang hatten die Angler den Fischbestand schon durch zusätzlichen Besatz unterstützt, ohne dass die Population sich erhöhte. Der jährliche Einfall des Kormorans während der Wintermonate verschärfte die Situation und machte vollends die Bemühungen zunichte.

Neben dem zusätzlichen Besatz mit  Sömmerlingen wurden befruchtete Bachforelleneier mit Brutröhren ins Gewässer gebracht, um so die natürliche Vermehrung zu unterstützen. Der Einsatz der Brutröhren war stets ein Glücksspiel, weil die häufigen Hochwasser insbesondere vom Nebenfluss Sechta eine hohe Schmutzfracht mitführten. Auf solche Hochwasser folgte regelmäßig ein Totalausfall der Brut. Gleichzeitig war auch immer die natürliche Reproduktion der heimischen Forellen nicht mehr vorhanden.

Das kleine Schulprojekt zeigte aber auch, dass man schon mit minimalen Mitteln sichtbare Erfolge erzielen konnte. Es dauerte deshalb nicht lange, bis sich im Verein eine Truppe formierte und sich ein neues und wesentlich ehrgeizigeres Ziel setzte: Sie wollten den besonders tristen und leblosen Abschnitten der Eger neues Leben einhauchen.

Ihr erster Weg ging zur Stadtverwaltung von Bopfingen. Bürgermeister Dr. Gunter Bühler hat viel für seine Vereine übrig. Auch wenn der Verwaltung noch nicht recht klar war, was der Verein vor hatte, so waren ihnen die Pläne des Hauptgewässerwartes doch einen Vertrauensvorschuss wert, bzw. 1.500 € und das Projekt der Neustrukturierung der Eger lief nun erst richtig an.

Angeschoben durch das Start-Geld der Stadt Bopfingen organisierte der Verein ein paar LKW-Ladungen großer Steine und Felsbrocken sowie einen Bagger samt Fahrer und in kurzer Zeit war ein Teilstück der Eger von 150 Metern neu strukturiert.

Bild von Günter Volk kurz nach der Neustrukturierung

Dabei lockert die Baggerschaufel zuerst den Gewässergrund auf und schafft eine tiefere, mäandrierende Rinne innerhalb der Bachbetts. Der Aushub wird im Bachbett abgelegt und damit Kiesbänke mit Rückströmungen geschaffen. Schließlich werden noch große Felsbrocken als Störsteine eingebaut. Sie sollen die Fließgeschwindigkeit punktuell erhöhen und die angelegte Rinne und die Gumpen freihalten. Vereinzelt werden auch große Wurzelstöcke als Unterstände eingebaut und mit Pfählen verankert.

Schon nach einem Jahr beginnt der strukturierte Abschnitt natürlich einzuwachsen und vom Baggereingriff ist nichts mehr zu sehen.

Bild von Günter Volk ca. 3 Jahre nach der Neustrukturierung (Stolch´sches Schloss durch Busch verdeckt)

Alle drei Bilder sind vom gleichen Gewässerabschnitt aufgenommen.

Wo liegen die Vorteile dieser Neustrukturierung?

1.    Aufwand und Kosten: Einem Gewässer seine ursprüngliche Mäandrierung zurückzugeben, ist nur im Zuge einer Flurbereinigung machbar, weil es den Eingriff in Grundeigentum notwendig macht. Das Verfahren ist langwierig und geht schon bei wenigen 100 Metern in die Hunderttausende.

2.    Die neu geschaffenen Kiesbänke werden über Wasser schnell von Gräsern und Schilf erobert und geben dem Bachbett ein natürliches Gesicht. Hier tummeln sich Insekten und brüten Wasservögel.

3.    Im Wasser entstehen Rückströmungen mit Ablagerungen von Kies und feinem Sediment. Hier findet man Bachmuschel, Nährtierchen und Insektenlarven.

4.    Unter den größeren Steinen leben Grundeln, Schmerlen und Groppen. Deren Nachkommen finden genug Nahrung und Lebensraum.

5.    Die Bachforellen schlagen ihre Laichgruben in den lockeren Kies und die geschlüpfte Brut hat einen guten Start, bis sie sich ihrerseits an der Fischbrut der Kleinfische ernähren können.

6.    Der Hochwasserschutz bleibt gewährleistet, weil der Querschnitt des Bachbetts nicht verringert wird.

Auf diese Weise hat der Hege- und Fischereiverein Bopfingen seit 2017 nun schon auf 1.200 m Länge der Eger eine neue, lebhafte und belebte Struktur gegeben.

Als begleitende Maßnahme pflanzen die Vereinsmitglieder Bäume entlang der Ufer von Eger und Sechta und schützen die vorhandenen solitären Bäume mit Drahthosen gegen den Biber. 250 m Drahtzaun verarbeitet der Verein seit 2010 jährlich für den Baumschutz und pflanzt zwischen 100 und 200 Bäume jährlich.

 

Durch die Beschattung des Gewässers soll die Wassertemperatur im Hochsommer niedrig und der Sauerstoffgehalt hoch bleiben. Außerdem sind die Bäume weiterer Lebensraum für Vögel und Insekten. Gleichzeitig wird darauf geachtet, dass streckenweise genügend Bäume als Nahrung für den Biber übrig bleiben bzw. nachwachsen können.









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Revitalisierung und Neustrukturierung der Sechta

Im Herbst 2020 hat der Verein auf einer Strecke von 500 m der Sechta auf die gleiche Art und Weise eine neue Struktur gegeben.

Zuerst die Planung:















Eine gute Planung spart Kosten und Zeit. Das Material wird dort angeliefert, wo es eingebaut werden soll und dem Baggerfahrer ist schnell gezeigt, was wo eingebaut wird.












Noch sieht es etwas wüst aus, aber die bearbeteten Stellen wachsen schnell ein und der Baggereingriff wird schon im nächsten Herbst kaum mehr zu sehen sein.















Es gibt noch viele Gewässerabschnitte an Sechta und Eger, die sich für diese Art der Neustrukturierung sehr gut eignen und anbieten. Es wird noch Jahre – vielleicht Jahrzehnte dauern, bis wir diese beiden Pachtgewässer renaturiert und revitalisiert haben.

Unsere Erfolge zeigen, dass wir uns nicht nur als Angler verstehen, sondern insbesondere als Gewässerpfleger und Gewässerverbesserer.

Ein wesentliches Problem bleibt uns allerdings vorläufig: Die Bachforellen können nicht in die vorhandenen Nebenbäche ziehen, um dort abzulaichen, weil diese kleinen Quellbäche nicht ans Hauptgewässer angeschlossen sind. Somit ist der gesamte Fischlaich nach wie vor gnadenlos dem Hochwasser ausgesetzt, wird mit feinem Sediment bedeckt und erstickt.

Zukunftsprojekte

Im Zuge der Agenda 2010 hat unser Verein schon einmal versucht Zuschüsse für die Anbindung der Quellbäche Grundbach und Heidbach zu bekommen. Damals zwar leider ohne Erfolg, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Deshalb werden dies die zukünftigen Naturschutzprojekte des Hege- und Fischereivereins werden. Die Quellgräben und –bäche wieder so an die Eger anzubinden, wie das vor der Begradigung der Fall war, damit die Forellen dort wieder erfolgreich ihr Laichgeschäft erledigen können und die befruchteten Eier eine Chance haben sich zu einer gesunden Fischbrut entwickeln zu können.



Restrukturierung Sechta 2020